Servergate bei den Piraten

Veröffentlicht auf von nachdenk-marionette

http://www.tutsi.de/wp-content/uploads/piratenpartei-server-beschlagnahmt.jpgEin Schelm ist wer was böses denkt. Verschwörung? Sabotage? Wahleinflussnahme?

Na, soweit wollen wir es dann doch nicht treiben. Aber was sich die deutsche Justiz hier mal wieder leistet, ist mit Elefanten auf weisse Mäuse zu schießen. Muss man denn wirklich ganze Server beschlagnahmen? Wäre eine Anfrage mit dem Hinweis der Vorwürfe nicht ausreichend gewesen? Sicher hätte man der Polizei benötigtes Material ausliefern können und entsprechend geholfen das Missverständnis aus der Welt zu schaffen.

Aber nein, hier musste mal wieder mit dem Hammer gearbeitet werden. Was will die Polizei denn finden?
Stattdessen wird eine Partei förmlich lahmgelegt. Die Bremer Piraten stehen kurz vor dem Wahltag und ihnen wird die Arbeitsplattform gänzlich entzogen. Andere Bundeslandpiraten trifft es ebenso.

Man stelle sich vor, solch ein Vorgang wäre bei den Parteizentralen der CDU, SPD, FDP oder Grünen so durchgeführt worden. Die Parteienlandschaft hätte Mord und Totschlag propagiert. Die Grund- und Menschenrechte wären plakatiert worden. Westerwelle, Mutti & Co wären vom Bildschirm und aus der Tagespresse nicht mehr wegzudenken gewesen.

Zum Wochenende wurden die Internetseiten der Polizei und des Bundeskriminalamtes vermutlich Opfer eines Hackerangriffs. Während die Seite BKA.de wieder in Betrieb ist, ist Polizei.de weiterhin offline.
Wie die Piratenpartei in einem Twitterbeitrag vermutet, steckt dahinter das inzwischen bekannte Anonymous Kollektiv. Grund dafür könnte die Beschlagnahmung von Servern der Partei sein. Diese wurden gestern um 9:15 Uhr auf richterliche Anordnung hin abgeschaltet. Die Ermittlungen richteten sich wohl gegen unbekannte IT-User und den Inhalt eines "Piratenpads".

Und weil die Piraten nun mal die Internet-Partei schlechthin ist, wird sie das am Ende auch noch der Verursacher gewesen sein.

 

Nach wie vor nicht nachvollziehbar sind die von den Ermittlern angegebenen Gründe, die zur Abschaltung der Server der Piratenpartei geführt haben. „Vorgebracht wird hier insbesondere, dass auf den Servern ein SSH-Schlüssel läge, der zum Angriff auf den Webauftritt des französischen Energieversorgers EDF benutzt werden könne. Hier wird der Eindruck erweckt, durch die Aktion der Staatsanwaltschaft sei ein Angriff verhindert worden“, so Christopher Lang, designierter Pressesprecher der Piratenpartei Deutschland. „Dies stellt sich bei näherer Betrachtung aber als absurd heraus: wird ein SSH-Schlüssel kompromittiert, so ist die einzig sinnvolle Reaktion, den Schlüssel auf allen betroffenen Servern zu ändern, um einen Angriff zu verhindern. Ist ein Schlüssel erst einmal abhanden gekommen, existiert keine reelle Chance, alle eventuellen Kopien dieses Schlüssels zu finden und zu vernichten, gleichwie bei dem Verlust eines Schlüsselbundes nicht alle möglichen nachgemachten Exemplare aufgesucht werden, sondern das Schloss gewechselt. Die Abschaltung der Server der Piratenpartei hat nicht zu einer Verbesserung der Sicherheitssituation beigetragen. Die Vorstellung, ein SSH-Schlüssel sei eine Angriffswaffe, ist unsinnig.“

 

Die Partei hält sich rechtliche Schritte vor und wird über das Wochenende alles von ihren Anwälten prüfen lassen.
Ich bin am Ende mal gespannt wie man das ganze rechtfertigen will, wenn sich der Irrtum herausstellt und festgestellt wird, das die Piraten damit Null zu tun haben.

Letztendlich muss man es aber als Pirat von Vorteil sehen. Eine bessere Publicity kann man nicht liefern.

Der deutschen Justiz unterstelle ich persönlich Dilletantismus die der Partei einen Bärendienst erwiesen hat.

Lasst Euch nicht an Fäden hängen und passt gut auf Euch auf....
André

 

P.S. Hier noch ein Statement von Bernd Schlömer zur Beschlagnahmung.

 

Letzte Meldung:
Nach der höchst fragwürdigen Beschlagnahme von Servern der Piratenpartei durch die Staatsanwaltschaft Darmstadt erhalten die Piraten nun einen Tag vor der Bürgerschaftswahl in Bremen ihre Server zurück.
Ein Sprecher der Piratenpartei erklärte hierzu gegenüber dpa: “…Wir nehmen unsere Kommunikationsinfrastruktur Stück für Stück wieder in Betrieb,nachdem wir uns vergewissert haben, dass Server bei der Polizeiaktion nicht manipuliert wurden…”. Selbstverständlich werden nun seitens der Piratenpartei weitere Schritte gegen die verantwortliche Staatsanwaltschaft Darmstadt und andere beteiligte Behörden folgen und beim Amtsgericht Darmstadt wurde bereits Beschwerde gegen diese staatliche Willkür eingereicht.

Veröffentlicht in Politik & Wirtschaft

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